Florian Koehler



Aktuelle Ausstellungen


adieu tristesse

Neue Figurationen ...1953 - 1968...

17. Februar bis 17. Juni 2018


Profile in der Kunst am Oberrhein
Helga Marten | Eva Schaeuble

9. November 2017 bis 4. März 2018

Der Nachtkrapp - Er ist wieder da!

Ein Kunstprojekt zur Völkerverständigung

vom 22. November 2017 bis 4. März 2018


adieu tristesse

Neue Figurationen ... 1953 - 1968...

17. Februar bis 17. Juni 2018

„Bonjour Tristesse“ taucht Ende der 50er Jahre als geflügeltes Wort im deutschen Sprachgebrauch auf und gilt schnell als die spritzige Zwei-Wort-Formel für das Unmögliche, das Neue, das Unerwartete, das Provokative. Françoise Sagan, eine junge Französin, hatte 1954 unter diesem Titel einen kurzen Roman über einen langen Sommer veröffentlicht. Das Buch war über Nacht zum Welterfolg geworden, wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und bescherte der Autorin bleibenden Ruhm. Das darin beschriebene Lebensgefühl ebenso wie die bis dahin ungehörte, schnörkellose Sprache räumen mit einem Weltbild auf, das Zukunft nur als unein­lösbares Versprechen bereithält. Die Poesie des Titels war durchaus ambivalent zu lesen, und dass er als Zitat geschickt aus einem Gedicht des Surrealisten Paul Eluard entwendet war, wo er als Gegenrede, als zweite Zeile steht, war schon Programm. „Bonjour Tristesse“ funktioniert natürlich nur, wenn man ein „Adieu Tristesse“ bereits als gegeben voraus­setzt – aus diesem Wechselspiel sollte die Idee einer neuen Welt zu einem neuen Spiel der Möglichkeiten werden. Nichts ist wahr und alles ist erlaubt.

Die Moderne war gestern und selbst der Surrealismus, das heißeste Lebenselixier, das die Künstlerinnen und Künstler der alten Welt vor der „Stunde Null“ zu bieten hatten, war nicht mehr zu gebrauchen. Für die jungen europäischen Künstler, die ab Mitte der 50er Jahre einen Bruch mit ihren als trist und inhaltsleer empfundenen Wirklichkeiten mutwil­lig herbeiführen wollten, war die Abstraktion und vor allem deren Beliebigkeit durch die Stilisierung zur Weltsprache alsbald als leere Formel für angebliche Freiheit enttarnt. Es sollte die Rückgewinnung der Form aus dem Formlosen sein, die einen Ausweg für die Malerei ebenso wie für die Plastik eröffnete und vielleicht sogar einen Weg zurück ins Leben. Die Tristesse, der Mief, der Kohlenkeller, die Parole „Keine Experimente!“ mussten zu knacken sein. Mit dem Titel „Neue Figurationen“ hatte Hans Platschek 1959 ein Buch vorgelegt, in dem er seine Beobachtungen aus seiner eigenen Praxis als Maler auch für andere nutzbar und nachvollziehbar ma­chen wollte. Den Zusatz „neue“ sieht er sehr wohl selbst als Dilemma, jedoch auch als Brücke, um die vermeintliche Sprachlosigkeit im Atelier in Sprache zu fassen. Im Untertitel heißt das schmale Bändchen „Aus der Werkstatt der heuti­gen Malerei“, und er meint genau das. Das Innere nach au­ßen kehren. „Neue Figurationen“ ist kein Stilbegriff, es ist zunächst noch nicht einmal eine künstlerische „Richtung“, die sich dessen sonderlich bewusst wäre. Die Wortkombi­nation bezeichnet keine feste Gruppe, keine Schule, keinen akademischen Diskurs, der festlegt, was geht und was nicht. Es ist eine Beobachtung „außer Atem“ im Rückspiegel, und das Auto fährt noch. Wer am Steuer sitzen wird, ist längst nicht ausgemacht – unter Umständen ist das Lenkrad auf den Rücksitzen montiert. Wols und Dubuffet fahren unerkannt im Kofferraum mit und Arp hat sich unter dem Ersatzrad ver­steckt. Das Programm heißt: Parken verboten.

Platschek beschreibt, wie sich Abzweigungen, Abkürzun­gen, Steilpfade und zunächst nur schwer sichtbare Seiten­wege aus dem Informel und der „art autre“ und dem längst zum Kanon stilisierten Abstract Expressionism finden lassen. Er diskutiert Pollock, Vedova, Saura, Jorn und Michaux. Er diskutiert Internationalität und meint Entgrenzung. Das Ge­meinsame all dieser Positionen ist sichtbar, lesbar und wird umso interessanter, als gerade ihre Offenheit, das ständige Verschieben der Grenzen hin zu einer Wiedererkennbarkeit der Form, dem körperlich Benennbaren neue Chancen er­öffnet. Im Verlauf der Ereignisse wird es die bewussteren, rational arbeitenden Typen wie etwa Antes, Zimmer, Saura und Jorn geben, die vorab Entscheidungen im Hinblick auf ein Bild treffen, um im Moment der Bildentstehung, in der Choreographie des Augenblicks, tatsächlich „frei zu sein“. Und es gibt die Vertreter eines „intra-psychischen Realismus“ – Stöhrer nannte das so – wie Schanz, Prem, Szymanski oder Chaissac. Im Spiel der Neuen Figurationen kann es nicht um Überreste aus der Realität gehen, es gibt das Problem der Verfremdung nicht. Die Figurationen, die „Kunstfiguren“ – wie Horst Antes seine bald als „Kopffüßler“ berühmt gewor­denen, anthropomorph anmutenden Darstellungen nennt – sind aus dem Schaffensprozess entwickelte Verkörperungen und streifen im Weiteren deshalb eine Art symbolistisch les­bares Eigenleben. Da diese Malerei einen „Bildgegenstand“, ein Thema durch ihre Arbeitsweise erst erzeugt – und im Verlauf der 60er Jahre sogar immer deutlicher lesbar werden lässt – statt, wie zuvor, Realität ins Bild zu überführen, entsteht tatsächlich durch das Tun, durch Aktion und Reaktion etwas Neues.

In den Antagonismen von Bonjour und Adieu, Adieu und Bonjour liegt der selbstbewusste Triumph der Fantasie. Im besten Fall interessiert nicht, was das Erscheinungsbild in anderen Zusammenhängen bedeuten könnte, sondern aus­schließlich, was es im Moment des Gestaltwerdens ausmacht. Da die Figuration spontan, aber durchaus aus psychisch be­setzten Formationen entsteht, hat sie den Anschein einer gewissen Einfachheit, Kindlichkeit und von natürlichem Wachstum. Die Künstlerinnen und Künstler spielen bewusst mit diesen Anregungen, die ihr geschärftes Bewusstsein ih­nen aus tausenderlei Quellen und Anregungen zuspielt. Die neuen Figurationen sind natürlich die alten Figurationen – die neuen Maler fressen den barbarisch frivolen Picasso ge­nauso wie Paul Klee, den Träumer der Anderswelt, nutzen Dubuffets Beobachtungen der Art brut und finden sich wie von selbst neben den Menschentieren der Internationale der CoBrA-Künstler. In der Ausstellung Adieu Tristesse – Neue Figurationen … 1953-1968 … werden diese Querverbindungen und Piraterien genauso zu sehen sein wie eine Dichte von Erfindungen und glückliche Feste der Malerei. Bis heute haben diese Bilder und Objekte nichts von ihrer Fas­zination verloren. Unmittelbarkeit, Authentizität und freies Spiel – ein Programm für die Gegenwart.

Die Ausstellung zeigt rund 120 Werke von mehr als 30 Künstlerinnen und Künstlern und wird von Axel Heil kuratiert. Der außerordentlich reichhaltige Bestand der Sammlung Hurrle Durbach wird durch einige Leihgaben aus Privatsammlungen aus Paris, Zürich, Heidelberg und Baden-Baden ergänzt.

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Profile in der Kunst am Oberrhein

Helga Marten | Eva Schaeuble

9. November 2017 bis 4. März 2018

Die Freiburger Malerin Helga Marten hat ein konsequentes und beständiges Werk vorzuweisen. Es gliedert sich in die klassischen Themenbereiche der Malerei, Porträt und Selbstporträt, Stillleben und Landschaft und ist in 65 Jahren unermüdlicher Tätigkeit unabhängig von Moderichtungen und Zeitströmungen entstanden. Es fußt auf einer vom Expressionismus vorbereiteten Sichtweise der Welt. So eignet sich Helga Marten diese mit ihren eigenen Farben an. Farbe ist Empfindung, und in welcher Weise sich die Dinge empfinden lassen, das ist Untersuchungsgegenstand der Malerin. Ein sorgfältiger Bildaufbau kennzeichnet ihre Malweise und eine großartige Farbempfindung, was den Gesamtklang angeht. Die Liebe zum Detail ist unübersehbar, der Pinselduktus variabel. Die Phantasie ist frei hinsichtlich der Raumperspektive und der Farbwahl. Farbe und Form hingegen bleiben in klarer strikter Zuordnung. In der Form liegt eine gewisse Abstraktion, denn es geht nicht darum, fotorealistisch abzubilden, sondern aus der Nachempfindung heraus die Dinge zu übersetzen. Dazu bedarf es der Fähigkeit zur Abstraktion. Das „Selbstbildnis vor Rot“ aus dem Jahr 1968 zeigt die Künstlerin in einer nachdenklichen Haltung, das Gesicht in die Hand gelegt, den Arm auf das Knie gestützt, umfangen von einem kräftigen hellen Rot und kontrastiert mit Grün im Gesicht, so dass die Umgebung der Figur die Wärme verleiht.

Die üppige, barock anmutende Bildwelt von Eva Schaeuble ist ausnehmend charakteristisch, erzählerisch und unverwechselbar. Zweierlei liegt dem zu Grunde: Was die Künstlerin erzählt und wie sie es tut. Beides ist untrennbar ineinander verwoben. Im Jahr 2006 stieß Eva Schaeuble auf das Bild der Victorine Meurent (1844 – 1927), die für Edouard Manet Modell stand. Sie ist seither eine der Protagonistinnen im Werk von Eva Schaeuble und durchlebt verschiedene Phasen und Situationen im Bild, besonders im Kostüm der Stierkämpferin, als junge Frau, neuerdings auch als alte Frau. Interieurszenen sind wesentlich. Die Darstellung erwächst gleichermaßen aus der Bildidee und dem Tun selbst, wenn nach grober Vorskizze die Detailarbeit beginnt und das Bild eine gewisse Führung im Tun übernimmt. Kennzeichnend ist die schwarze Lineatur, die in einem freien Handschwung entsteht und bei aller Präzision und Ausführlichkeit einen lebendig ungenauen Liniencharakter erkennen lässt. Die Zeichnung nimmt einen gewichtigen Teil ein und zeigt hinsichtlich der Volumina einen Hang zum Klassizismus. Präzise, detailliert und durch den Vorhang im Bild als „Trompe-l'œil“ gekennzeichnet ist auch die Raumgestaltung im Bild „Rencontre des amies“ etwa, wenn Victorine an der aus der Tiefe nach vorne verlaufenden Bar steht. Das Farbspektrum ist stark reduziert, die tragende Schwarz-Weiß-Lineatur mit Rosa-Tönen milde kontrastiert. Zahlreiche weitere Motive sind in das Ganze hineingearbeitet. In anderer Darstellung schaut das weibliche Gesicht geradezu pathetisch gen Himmel, von den Greifvögeln, den „Nothelfern“ eng umgeben. Eva Schaeuble lässt Zitate aus der Kunstgeschichte einfließen, besonders finden andere Malerinnen wie Berthe Morisot, Eva Gonzales oder Suzanne Valadon Eingang in die Bildwelt. Einige Arbeiten thematisieren das Gefäß als Ursymbol des Weiblichen.


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Der Nachtkrapp - Er ist wieder da.

Ein Kunstprojekt zur Völkerverständigung.

vom 22. November 2017 bis 4. März 2018

Gemeinschaftsbilder, Animationen und Filme von jungen Künstlern aus Deutschland, Frankreich, Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Junge Künstler aus der christlich-westlichen und der muslimisch-arabischen Welt visualisieren ihre aktuellen und latenten Ängste angesichts globaler Veränderungen und politischer Unsicherheit.Seit einem Jahr arbeiten Studierende der Zayed-University, der Hochschule Offenburg, der Université de Strasbourg und Künstler aus Offenburg, Dresden und dem Iran an Gemeinschaftsarbeiten: Gemälde, digitale Grafiken, Animationen und Filme. Die unterschiedlichen Ansätze zur Darstellung von Ängsten sollen durch die praktische Interaktion kulturell erforscht und in der Ausstellung öffentlich diskutiert werden.Für die Besucher der Ausstellung steht eine „Angstfressmaschine“ bereit.Das Projekt wurde von der Offenburger Künstlerin Anna Higgs initiiert: „Der Nachtkrapp ist eine düstere, unheilbringende Sagenfigur in der Gestalt eines Vogels und kann heute als Symbolfigur für Ängste und Fremdenfeindlichkeit stehen. Es ist an der Zeit, sich diesen Ängsten zu stellen, um sie in Zukunft aufzulösen. Deshalb malen wir gemeinsam Bilder, zeichnen Animationen und drehen Filme. Denn nicht das Gegeneinander, sondern das Miteinander wird uns stark machen.“Im Jahr 2018 werden die Arbeiten in der Saadiyat-Gallery in Abu Dhabi gezeigt. Ausstellungen in Frankreich und dem Iran sollen folgen.An der Ausstellung nehmen teil:17 Studierende der Hochschule Offenburg, Deutschland (Bilder)70 Studierende der Hochschule Offenburg, Deutschland (Animationen und Filme)6 Studierende der Zayed University Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate9 Studierende der Université de Strasbourg, FrankreichLena Dobner, Anne Rosinski und Nafiseh Khanehzar, DresdenBrody Neuenschwander und Golnaz Fathi, Belgien/IranAnna Higgs, OffenburgAssistant Professor Naz Shahrokh, Zayed University Abu DhabiProf. Germain Roesz, Université de StrasbourgProf. Götz Gruner, Hochschule Offenburg
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